Im Service gut beraten

Im Service gut beraten

Inwieweit ist eine Werkstatt verpflichtet, den Kunden über den erteilten Auftrag hinaus zu beraten und aufzuklären - insbesondere über vom Hersteller empfohlene Auswechslungstermine für Verschleißteile?

Mit dieser Frage hat sich das Amtsgericht Brandenburg unter Berücksichtigung der bisherigen Rechtsprechung in seinem Urteil vom 8. Januar 2007 (Az. 31 C 59/06) ausführlich befasst und festgestellt:
Eine Kfz-Vertragswerkstatt muss einen Kunden auf einen vom Hersteller empfohlen- en Auswechslungstermin von Kfz-Teilen (noch) nicht hinweisen, wenn die vom Her- steller empfohlene Frist hierfür zum Zeitpunkt der Reparatur des Fahrzeugs noch nicht abgelaufen ist oder nicht innerhalb der nächsten drei Monate abläuft.

Das Gericht hat in seinen Urteilsgründen auf folgende Aspekte hingewiesen:

  • Ein Kfz-Meisterbetrieb muss sich zunächst darauf beschränken, die konkret beauftragten Arbeiten auszuführen. Nur bei unbestimmten Aufträgen ("Motor läuft unrund" oder "Ölverlust") sind alle möglichen Ursachen zu überprüfen.
     
  • Wenn der Kfz-Meisterbetrieb einen Mangel, der die Betriebssicherheit des Fahrzeugs beeinträchtigt, erkennt oder bei der gebotenen Sorgfalt erkennen kann, ist dies dem Kunden mitzuteilen, damit dieser über weitere Maßnahmen entscheiden kann.
     
  • Ob die Kfz-Werkstatt darüber hinaus zur Aufklärung und Beratung verpflichtet ist, hängt vom Einzelfall ab. Indizien können sein:
     
  • Ø die Bewerbung besonderer Fachkunde der Werkstatt,
     
  • Ø die Komplexität der Werkleistung,
     
  • Ø die wirtschaftliche Bedeutung der Werkleistung oder
     
  • Ø die Bedeutung für die Meinungsbildung des Kunden.

Eine Aufklärung ist umso eher Pflicht, je kleiner der Aufwand hierzu ist. Dabei ist es nicht erforderlich, dass der Kunde einen Beratungswunsch äußert.

  • Grundsätzlich erstrecken sich Aufklärungs- und Beratungspflichten auf den Auf- trag und die damit zusammenhängenden Umstände. Geht es um Reparaturar- beiten können auch nicht ordnungsgemäß durchgeführte Vorarbeiten oder weitere Schäden gemeint sein. Das Ausmaß dieser Pflichten ist neben dem zu erwartenden Fachwissen auch vom Beratungsbedarf des Kunden abhängig.
     
  • In Bezug auf Auswechslungsintervalle von Fahrzeugteilen ist es durchaus möglich, dass eine Vertragswerkstatt aufgrund eines mit dem Kunden abgeschlossenen Wartungs- oder Reparaturvertrages verpflichtet ist, von sich aus zu überprüfen und ggf. beim Halter nachzutragen, ob eine vom Hersteller empfohlene Auswechslung schon erfolgt ist. Dabei ist unter anderem nach zeitlichen Aspekten zu unterscheiden:

Der Kunde darf darauf vertrauen, dass die Vertragswerkstatt ihn auf eine fällige oder unmittelbar bevorstehende Auswechslung von Fahrzeugteilen hinweist.

Sie steht unmittelbar bevor, wenn die Frist in weniger als drei Monaten oder innerhalb von 5 000 km nach der Jahresinspektion abläuft. Ansonsten ist grundsätzlich der Halter des Fahrzeugs für die Einhaltung der vom Hersteller empfohlenen Auswechslungsfristen verantwortlich.

Eine Vertragswerkstatt muss bei einer Jahresinspektion nach Ablauf des Auswechs- lungstermins von sich aus überprüfen, ob sich ein Mangel - im konkreten Fall des Zahnriemens - bei einem Probelauf feststellen lässt. Ist dies der Fall, ist der Kunde hierüber aufzuklären und ihm anzuraten, den Zahnriemen auswechseln zu lassen.

Ergänzend zum Urteil des AG Brandenburg hat das OLG Düsseldorf entschieden: Wird eine Werkstatt mit einer Reparatur beauftragt, besteht ohne konkreten Kundenauftrag in der Regel dann keine Überprüfungs- und Hinweispflicht bezüglich des Zahnriemens, wenn die Arbeiten erst längere Zeit nach Ablauf des vom Hersteller empfohlenen Auswechslungstermins erfolgen, da für die Werkstatt zu diesem Zeitpunkt schon kein Anlass mehr besteht, dem Zahnriemen Aufmerksamkeit zu widmen.

Im damaligen Fall war das Auswechslungsintervall bereits um mehr als 18 000 km überschritten.