Nacht des Kfz-Gewerbes

Erfolgreicher Auftakt

Mit mehr als 180 Anwesenden, einem interessanten Programm und dem anschließenden Austausch bei einem zünftigen Oktoberfest-Schmaus war die erste Nacht des Kfz-Gewerbes ein schöner Erfolg für den veranstaltenden Landesverband des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein.

Schon die einführenden Gedanken von Nina Eskildsen, Präsidentin des Landesverbandes, machten deutlich, wie sehr die Branche im Moment das Thema Veränderung umtreibt. Dabei sei nicht klar, wohin das Ganze sich entwickeln werde. Außerdem gebe es keine lineare Veränderung von Stadt und Land. Während im städtischen Bereich durch eine Fülle von Mobilitätsangeboten das eigene Auto an Bedeutung verliere, sei im ländlichen Raum eine ähnliche Entwicklung in naher Zukunft nicht vorstellbar. Nina Eskildsen machte weiter deutlich, dass sie im täglichen Geschäft beobachte, wie überfordert die meisten Kunden von der Fülle an technischen Möglichkeiten seien, die zum Standard der heutigen Fahrzeuge gehörten. Hier sei es die Aufgabe der Betriebe vor Ort, durch intensive Beratung Unterstützung zu leisten.

Autonomes Fahren in weiter Ferne

Nach dieser Einführung räumte Manfred Müller, Pilot der Lufthansa, Flugsicherheitsforscher und Lehrbeauftragter für Risikomanagement, gleich zu Beginn seines Vortrags mit einer weitverbreiteten schönen Vorstellung auf. In absehbarer Zeit werde die Vision vom „Ins-Auto-Steigen“ und vom Fahrzeug autonom ans Ziel gebracht zu werden, während man an Bord schon mal seinen Bürotag beginnt, nicht Realität werden. Dafür seien die bestehenden Systeme viel zu fehlerhaft. Stand jetzt sei ein Google Auto 15 Mal häufiger in Unfälle verwickelt als ein durchschnittlicher Autofahrer. Übertragen auf die Luftfahrt würde das allein für Lufthansa bedeuten, dass es bei rund 1000 Flügen, die die Gesellschaft pro Tag abwickelt, alle 24 Stunden einen Totalausfall gäbe – eine katastrophale Bilanz!

Die Erfahrungen in der Luftfahrt zeigten, dass es ein Fehlweg sei, den Menschen aus dem System zu nehmen, um Fehler zu reduzieren. Stattdessen werde in der Fliegerei eine sogenannte „Stufe-3-Automatisierung“ als Standard verfolgt. Das bedeute, dass ein Pilot immer in der Lage sein müsse, innerhalb einer Sekunde die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen. Das sei notwendig, denn jede Software habe ihre Grenzen. Ganz besonders dann, wenn das Geschehen sich außerhalb der vom Programmierer vorgegebenen „Spielregeln“ bewege. Je komplexer die Situation, desto wichtiger werde der Mensch. In der Konsequenz bedeutete das, dass die Helfer, die die Künstliche Intelligenz zur Verfügung stelle, immer dann zum Einsatz kommen sollten, wenn der Mensch eigentlich keine Hilfe benötige.

Das heisse also nicht, so Manfred Müller, dass es im Straßenverkehr keine sinnvollen Einsatzmöglichkeiten für die KI gäbe. Die Hersteller sollten sich aber nicht darauf konzentrieren, den Menschen als Fahrer überflüssig zu machen. Vielmehr gehe es darum, durch Assistenzsysteme das Fahren sicherer zu machen. Gleichzeitig richtete er einen Appell an den Handel. Es sei die Aufgabe derjenigen, die die Autos verkauften, die Kundinnen und Kunden über die technischen Möglichkeiten ihrer Fahrzeuge aufzuklären. Je komplexer die Systeme würden, desto wichtiger sei eine gute Schulung, um sie auch wirklich angemessen nutzen zu können.

Warum Veränderungswünsche scheitern

Diese wichtigen Hinweise machten schon deutlich, vor welchen Herausforderungen die Branche allein in diesem Bereich steht. Passend dazu stellte Susanne Nickel, Rechtsanwältin, Wirtschaftsmediatorin und Trainerin von Führungskräften einige grundsätzliche Überlegungen zum Thema „Veränderung“ vor. Ihren Erfahrungen entsprechend scheitere ein Großteil der Veränderungsprojekte. Häufig sei den Beteiligten die Notwendigkeit für einen Wandel nicht klar. Der immer wieder vorgebrachte Einwand laute, es laufe doch insgesamt ganz gut, warum also solle etwas geändert werden. Susanne Nickel prägte für diesen Zustand die griffige Formel „Erfolg killt Innovation“ – ohne Zweifel eine Aussage, in der sich die Branche wiederfinden kann.

Außerdem werde auf Seiten der Verantwortlichen nicht darauf geachtet, warum sich Widerstand rege, denn jeder Widerstand habe Gründe. Durchschnittlich reagierten immerhin vierzig Prozent aller MitarbeiterInnen mit Ablehnung auf Veränderungsprozesse. Genauso hoch sei die Zahl der Neutralen und gerade einmal zehn von Hundert seien positiv gestimmt, wenn es heisse, Dinge anders zu machen. Als Gründe für den Widerstand nannte Susanne Nickel das Gefühl, nicht kompetent genug für den Wandel zu sein („Ich kann nicht!“), andere seien von vorne herein ablehnend („Ich will nicht!“) und wieder andere seien mit den Verantwortlichen im Unternehmen, die den Wandel kommunizierten, nicht einverstanden („Ich will dich nicht!“).

Führungskräfte als Schatzjäger

An diesem Punkt appellierte die Referentin an die Führungskräfte unter den Zuhörern, den Widerstand auszuhalten und sich nicht bei Schwierigkeiten aus dem Staub zu machen. Wer das tue, der riskiere, dass sich in der Belegschaft das Gefühl breit mache „ausgechanged“ zu sein, jegliche Bereitschaft für einen Wandel welcher Art auch immer sei verloren gegangen. Die Verantwortlichen müssten zu denen gehen, die den Wandel umsetzen müssten, bereit sein Fragen zu stellen und zu beantworten, „barrierefreies“ Denken zu fördern und mit eigener Reflexionsbereitschaft vom Denken ins Tun zu gelangen. Dabei könnten alte Gewohnheiten genutzt werden, um neue zu installieren. „Es ist einfacher auf Muster aufzuspringen als Muster zu sprengen“, so Susanne Nickel. Anschließend gelte es, Durchhaltevermögen zu zeigen.

Im Idealfall gelinge es, alle im Unternehmen in den Wandel einzubinden. Dafür müssten die Führungskräfte „Schatzjäger“ sein, die die verborgenen Fähigkeiten ihrer MitarbeiterInnen erkennen würden und für den permanenten Wandel im Betrieb nutzten.

Nach Ende der beiden Vorträge zeigten die vielen angeregten Gespräche beim Buffet, dass die Anwesenden offensichtlich Einiges zum Nachdenken von der Veranstaltung mitnahmen. Es blieb der Eindruck, dass mit der ersten Nacht des Kfz-Gewerbes durchaus der Nerv der Mitgliedsbetriebe getroffen wurde. In zwei Jahren wird es eine Fortsetzung geben und spätestens dann wird sich zeigen, wie nachhaltig die Anregungen waren.