Kfz-Gewerbe: Umsatz wächst, Rendite stagniert

Jahrespressekonferenz 2020 zu wichtigen Branchenthemen mit Vorstandsmitglied Dirk Weddigen von Knapp, Präsident Jürgen Karpinski und Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk (v.l.).

Der Umsatz im Kfz-Gewerbe ist im Jahr 2019 um 4 Prozent auf rund 186 Milliarden Euro gewachsen. Die Umsatzrendite hingegen stagniert bei 1,3 Prozent im vorläufigen Durchschnitt.

Diese Zahlen präsentierte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski auf der Jahrespressekonferenz des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Berlin. Die allgemeine Lage für die Mitgliedsbetriebe fasste er so zusammen: „Die Anforderungen der Hersteller und Importeure an die Autohäuser steigen nicht zuletzt aufgrund der Transformation hin zur Elektromobilität.“ 

Druck auf die Erträge gebe es außerdem wegen des gesunkenen Serviceumsatzes sowie des leichten Rückgangs bei den privaten Neuzulassungen.

Der Umsatz im Neuwagenhandel mit Pkw stieg um 10,5 Prozent auf  rund 73,4 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Der Grund dafür sei in erster Linie der um 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegene durchschnittliche Neuwagenpreis (33.580 Euro).

Weniger Umsatz beim Handel mit gebrauchten Pkw

Der Umsatz des Markenhandels mit gebrauchten Pkw sei hingegen um 4,8 Prozent auf rund  54,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Das liege vor allem an dem auf 46 Prozent gesunkenen Anteil des Markenhandels am gesamten Gebrauchtwagenmarkt (Vorjahr 51 Prozent).

Der freie Handel habe seinen Anteil am gesamten Pkw-Gebrauchtwagenmarkt im vergangenen Jahr um fünf Prozentpunkte auf 21 Prozent gesteigert. Nach dem Umsatzeinbruch in 2018 habe es im vergangenen Jahr einen Umsatzsprung von knapp 63 Prozent auf rund 14,8 Milliarden Euro gegeben. 

Auch das sei auf den höheren Durchschnittspreis (9.780 Euro) der über diesen Vertriebsweg gehandelten Fahrzeuge zurückzuführen, der um 24 Prozent gestiegen sei.

Deutliche Einbußen gab es beim Umsatz mit Wartungs- und Reparaturaufträgen – knapp 11 Prozent auf rund 30 Milliarden Euro. 

Die Gründe dafür lägen in einer seit Jahren rückläufigen Reparaturhäufigkeit und einer im vergangenen Jahr niedrigeren Wartungshäufigkeit.  

Außerdem ist die durchschnittliche Schadensumme bei den in 2019 angefallenen Unfallschäden laut dem DAT-Report 2020 gegenüber dem Jahr 2018 deutlich gesunken.

Umkämpfter Ausbildungsmarkt

Die in den vergangenen fünf Jahren zu verzeichnende Tendenz mit stetig steigenden Zahlen neuer Ausbildungsverträge habe sich im vergangenen Jahr nicht fortgesetzt. 

So schlossen die Autohäuser und Werkstätten im Jahr 2019 mit 22 800 jungen Menschen Ausbildungsverträge zum Kfz-Mechatroniker ab. 

Das waren  2,6 Prozent weniger als im Jahr 2018. Im Ausbildungsberuf Automobilkaufmann/-frau wurden wenig mehr als 5 300 neue Azubis eingestellt und damit rund 2,4 Prozent weniger als in 2018. 

Insgesamt bilde das Kraftfahrzeuggewerbe zurzeit 92 950 junge Menschen in technischen und kaufmännischen Berufen aus. Das seien 0,4 Prozent weniger als im Jahr 2018.

Anzahl der Betriebe leicht rückläufig

Die Anzahl der Kfz-Betriebe sei im vergangenen Jahr  leicht um 150 Betriebe bzw. 0,4 Prozent auf 36 600 im Vergleich zu 2018 gesunken. Die Gesamtzahl unterteile sich in 15 030 fabrikatsgebundene und 21 570 freie Betriebe. 

Bei den fabrikatsgebundenen Betrieben wurden 170 Betriebe bzw. 1,1 Prozent weniger gezählt als in 2018, bei den freien Betrieben sind es 20 Betriebe bzw. 0,1 Prozent mehr. Erfasst sind alle organisationsfähigen Betriebe ab einer jährlichen Umsatzgröße von 100.000 Euro aufwärts. 

Entsprechend veränderte sich die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf 439 000, das sind 0,5 Prozent weniger als im Jahr 2018.

ZDK fordert Förderung von Ladesäulen auch für Autohäuser und Werkstätten

Mit Nachdruck setzte sich ZDK-Präsident Jürgen Karpinski dafür ein, dass auch Autohäuser und Werkstätten finanzielle Förderung erhalten, wenn sie öffentlich zugängliche Ladesäulen für E-Fahrzeuge schaffen. 

Erste Förderanträge von Autohäusern waren von der zuständigen Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen (BAV) abgelehnt worden. 

Als Begründung wurde angegeben, dass Autohändler sich bereits gegenüber den jeweiligen Herstellern ihrer Marken dazu verpflichtet hätten, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge zu errichten. 

Die Gewährung von Fördermitteln für Ladeeinrichtungen, die ohnehin errichtet würden, verstoße gegen das haushaltsrechtliche Subsidiaritätsprinzip. Diese Begründung habe zu Recht für Empörung nicht nur bei den Autohäusern, sondern auch im ZDK gesorgt. 

„Entscheidend muss sein, ob der Betrieb auf eigene Kosten eine im öffentlichen Interesse liegende Ladeeinrichtung bereitstellt“, so Jürgen Karpinski. „Die Ablehnungsgründe sind weder uns noch einem kleinen oder mittelständischen Betrieb begreiflich zu machen.“

ZDK für intelligente Verkehrssteuerung, aber gegen ein generelles Tempolimit

In der Pressekonferenz wandte sich der ZDK-Präsident gegen die Forderung nach einem generellen Tempolimit auf Autobahnen. Die gültige Richtgeschwindigkeit von 130 km/h auf Autobahnen reiche völlig aus.

„Die reale Durchschnittsgeschwindigkeit liegt dort nach wissenschaftlicher Begutachtung bei 117 km/h“, so Karpinski. 

Wer nicht sowieso durch bereits bestehende Tempolimits, durch Baustellen oder das hohe Verkehrsaufkommen automatisch eingebremst werde, solle weiterhin die Möglichkeit haben, auf freien Abschnitten die Geschwindigkeit selbst zu bestimmen. 

Dies könne etwa durch eine dynamische und verkehrsabhängige Steuerung des Verkehrsflusses unterstützt werden.

Im Hinblick auf die Reduzierung der CO2-Emissionen solle die Wirkung eines allgemeinen Tempolimits nicht überschätzt werden. 

So würden Studien von einem CO2-Einsparpotenzial in der Größenordnung von lediglich knapp zwei Prozent der CO2-Emissionen des Pkw-Verkehrs ausgehen. Gemessen am CO2-Gesamtausstoß liege dieser Anteil sogar nur bei rund 0,3 Prozent.

Statments und Grafiken gibt es auf https://www.kfzgewerbe.de/presse/pressemeldungen/kfz-gewerbe-umsatz-waechst-rendite-stagniert.html.