Die Elektromobilität gewinnt in Deutschland weiter an Fahrt: Im Juli 2026 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt nur noch 30,7 Prozent der neu zugelassenen Pkw reine Verbrenner, während 29,3 Prozent bereits vollelektrisch fuhren. Rechnet man Plug-in-Hybride hinzu, lag der Anteil der Neuwagen mit Elektroantrieb sogar bei 40,7 Prozent. Doch mit dem wachsenden Bestand an Elektrofahrzeugen stellt sich zunehmend die Frage, ob der bundesweite Ausbau der Ladeinfrastruktur den richtigen Kurs verfolgt.
Aktuelle Daten zeigen: Langsame AC-Ladepunkte im innerstädtischen Raum werden im Schnitt nur 0,6 Mal täglich genutzt, während Schnellladepunkte (DC/HPC) auf mehr als 2,5 Ladevorgänge pro Tag kommen. Der bundesweite Masterplan Ladeinfrastruktur, der bis 2030 eine Million öffentliche Ladepunkte vorsieht, orientiert sich bislang stark an der reinen Fahrzeugzahl – nicht aber an der tatsächlichen Nutzung vor Ort.
Für den Kfz-Landesverband Schleswig-Holstein ist das ein zentraler Punkt, gerade mit Blick auf die ländlich geprägten Regionen des echten Nordens. Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Landesverbandes des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein, kommentiert:
„Ein Verhältnis von Fahrzeugen zu Ladepunkten, das nur auf dem Papier gut aussieht, hilft unseren Kundinnen und Kunden im echten Norden wenig, wenn die Säulen am falschen Ort stehen oder nicht zuverlässig funktionieren. Gerade in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein mit langen Wegen zwischen den Orten kommt es darauf an, dass leistungsfähige Schnelllader dort stehen, wo Menschen sie auf ihren Strecken tatsächlich brauchen – an Ausfallstraßen, Rastplätzen und zentralen Verkehrsknotenpunkten. Unsere Mitgliedsbetriebe erleben täglich, wie wichtig verlässliche Ladeinfrastruktur für die Kaufentscheidung ihrer Kunden ist. Wer jetzt in E-Mobilität investiert, muss sich auf eine Infrastruktur verlassen können, die funktioniert, statt nur zu existieren. Wir appellieren daher an Land und Kommunen, den weiteren Ausbau konsequent am tatsächlichen Bedarf auszurichten – das schafft mehr Vertrauen in die Elektromobilität als jede zusätzliche, aber ungenutzte Ladesäule.“
Der Landesverband sieht in einer bedarfsorientierten, wirtschaftlich tragfähigen Ladeinfrastruktur einen entscheidenden Baustein für den Erfolg der Verkehrswende im echten Norden – und wird sich weiterhin für die Interessen der Kfz-Betriebe und ihrer Kundschaft in dieser Frage einsetzen.