Schleswig-Holstein stromert

Wachsendes Interesse an E-Mobilität

Im nördlichsten Bundesland wächst das Interesse an E-Mobilen. Das zeigen die Zulassungszahlen des vergangenen Jahres und auch die in den ersten beiden Monaten 2021. Damit gehört Schleswig-Holstein neben Berlin in Deutschland zu den E-Hochburgen, ist, wie „Kfz-Betrieb online“ konstatierte, zu einem „Elektro-Musterland“ aufgestiegen.

1.305 reine Elektroautos und 2.144 Hybrid-Fahrzeuge kamen in den ersten acht Wochen des neuen Jahres auf die Straße. Mit 37,1 % lassen die (teil-)elektrischen Pkw sowohl Diesel (2.543 Neuzulassungen = 27,4 %) als auch Benziner (3.264 = 35,1%) bei den Neuzulassungen hinter sich. Damit setzt sich eine bereits 2020 zu beobachtende Entwicklung fort: Ein starker Anstieg bei den Neuzulassungen zeigt das wachsende Interesse an Alternativen zu den klassischen Verbrennungsmotoren. 2020 waren im nördlichsten Bundesland 16,5 % der zugelassenen Neuwagen rein- oder wenigstens teilelektrisch. Damit steht Schleswig-Holstein zusammen mit Berlin und Baden-Württemberg deutschlandweit an der Spitze.

Dies nahmen die „Kieler Nachrichten“ in einem Artikel vom 06. April zum Anlass, um Stimmen aus dem Kfz-Gewerbe zu Wort kommen zu lassen. Neben dem Geschäftsführer des Landesverbandes Jan-Nikolas Sontag äußerten sich auch die Unternehmer Jörn  Lüdemann und Christian Süverkrüp. Sontag betonte, dass die Prämie, die beim Kauf eines E-Mobils bis zu 9.000 € betragen kann (bei Plug-ins sind es maximal 6.750 €) und bis 2025 gewährt wird, ihre Wirkung entfaltet habe. Ob auch nach diesem Sondereffekt die Nachfrage so hoch bleibe, das müsse sich zeigen. Gegen Ende des Jahrzehnts könnten etwa 20 % aller Fahrzeuge E-Mobile sein, so seine Schätzung. Insgesamt, das betonte der Geschäftsführer des Landesverbandes, werde es noch längere Zeit „einen Mix aus Technologien“ geben und damit auch weiterhin Verbrennungsmotoren.

Eindrucksvolle Steigerungsraten

Christian Süverkrüp ist in der Geschäftsführung des gleichnamigen Unternehmens u.a verantwortlich für die Marke Renault, die bekanntlich in der E-Mobilität eine Vorreiterrolle besitzt. Als das Modell „Zoé“ in einer Studie 2009 auf der IAA vorgestellt und Anfang 2013 dann tatsächlich für den Betrieb auf der Straße realisiert wurde, bedeutete dies auch für den erfahrenen Unternehmer eine eher unerwartete Entwicklung: „Da waren wir überrascht“, so Christian Süverkrüp im oben genannten  KN-Artikel, „denn es war der erste Massenhersteller, der mit Produkten kam, die mehr als ein Etikett waren.“

Vor dem Hintergrund der quantitativ bescheidenen Größenordnung von 60 Fahrzeugen in 2018, sind die folgenden Steigerungen eindrucksvoll, Verdoppelung in 2019 auf 120 und dann um weitere 400 % in 2020 auf 480 Fahrzeuge. Da ist natürlich noch Luft nach oben, aber die aktuellen Zahlen lassen weiteres Wachstum erwarten. Auf jeden Fall, so Süverkrüp, treffen diese Fahrzeuge die mobilen Bedürfnisse von immer mehr Autofahrerinnen und Autofahrern: „Die meisten Tagesfahrstrecken sind nicht mehr als 60 Kilometer, da lohnt sich ein batterieelektrisches Fahrzeug.“

Förderung auch für Gebrauchtwagen

Davon ist Jörn Lüdemann schon lange überzeugt. Der viele Jahre als Obermeister im Landesverband und in der Innung Bad Segeberg ehrenamtlich engagierte Unternehmer, kann zweifellos als „E-Mobil-Pionier“ bezeichnet werden: „Wir sind seit zehn Jahren dabei. Die Elektroverkäufe machen bei uns über 50 Prozent aus.“ Als absoluter Vorreiter auf diesem Sektor, beschäftigt er seit langem besonders geschulte Verkäufer, die sich ausschließlich um das Thema E-Mobilität kümmern. Außerdem gehört sein Betrieb in Norderstedt zu den insgesamt nur drei Batteriezentren des Herstellers Renault, die in Deutschland die Antriebselemente reparieren dürfen.

Dahinter steckt nicht nur unternehmerisches Kalkül, sondern auch ein ernsthaftes Engagement gegen den Klimawandel: „Wir haben klimatechnisch nur eine Chance, wenn wir bei der Mobilität radikal umstellen.“ Lüdemann verschließt die Augen nicht davor, dass die neue Technologie noch Verbesserungspotential besitzt: „Natürlich gibt es ungeklärte Fragen, etwa bei der C02-Belastung in der Herstellung der Batterien, aber diese werden gelöst. Die Entwicklung ist rasend schnell.“

Im Artikel der „Kieler Nachrichten“ kam auch zur Sprache, dass der Landesverband bei der Frage der gebrauchten Elektromobile noch politischen Handlungsbedarf sieht. Jan-Nikolas Sontag betonte die Notwendigkeit, auch für die Fahrzeuge, die sehr häufig Rückläufer aus Leasingverträgen sind, einen staatlichen Kaufanreiz einzurichten. Schließlich seien durch die Innovationsprämie gebrauchte E-Pkw „schlagartig abgewertet“ worden. Jörn Lüdemann sieht das ähnlich, denn die Prämie für Neuwagen senke den preislichen Abstand zu den gebrauchten Fahrzeugen.

Dieses Thema wird sicher in der kommenden Zeit sowohl vom Zentralverband als auch vom Landesverband bei den politischen Entscheidungsträgern in Erinnerung gebracht werden.

Der ZDK trägt mit einem neuen Service für die Mitgliedsbetriebe dem steigenden Interesse an der E-Mobilität Rechnung: Ab sofort gibt es über das Intranet die Möglichkeit, einen Monatsreport zur E-Mobilität abzurufen https://intranet.kfzgewerbe.de/service/login/.

Hier der Februar-Report: