Treffpunkt Berufsbildung

Treffpunkt Berufsbildung

Ende Oktober fand in Fulda der zweite Treffpunkt Berufsbildung unter dem Motto „Level up!“ statt. Rund 250 Ausbildungsprofis aus Betrieben, Schulen und Verbänden besuchten die Veranstaltung.


Im Mittelpunkt des Programms stand die Beschäftigung mit der Generation der aktuellen und künftigen Auszubildenden, der sogenannten „Generation Z“. Diese nach 1996 geborenen Menschen zeichnen sich nach den Worten der ersten Rednerin, der Generationenforscherin Dr. Steffi Burkhart, vor allem dadurch aus, dass sie total im Digitalen leben und von dort aus auf die analoge Welt blicken. „Die jungen Leute haben die Deutungshoheit über das wichtigste Massenmedium der Gegenwart – das Internet – und sind Treiber von Innovationen“, so Burkhart.


Die Forscherin bestätigte, was viele Ausbilder in der Praxis erleben: Die Jugendlichen ließen sich nicht mehr lange bei der Stange halten und wollten keine langen Texte lesen. In diesem Zusammenhang genannten Stichwörter lauteten „hyper attention“ also die Wahrnehmung vieler Informationen in kurzer Zeit mit einem eher oberflächlichen Verständnis. Im Gegensatz dazu steht die „deep attention“, die bei den heutigen älteren Mitarbeitern ausgeprägt ist. Hierbei werden weniger Information pro Zeiteinheit wahrgenommen, diese jedoch tiefgehender durchdacht und beurteilt. Dementsprechend müsse sich die Didaktik verändern, Wissen und Fähigkeiten über Erfahrungen statt über theoretische Lektionen vermittelt werden. Zudem seien in Zukunft ohnehin Kreativität und soziale Skills viel mehr gefragt als reines Faktenwissen. 


Eine besonders gefragte Kompetenz der Zukunft, ist das Lernen. Mitarbeiter müssen in der Lage sein, neues Wissen schnell zu lernen, zu verlernen, um es sich dann ggf. wieder erneut im Gedächtnis verfügbar zu machen. Dr. Steffi Burkhart sprach in diesem Zusammenhang vom „learning, unlearning and relearning“.


KI und ihre Folgen für die Arbeitswelt


Wenn sich die Menschen ändern, hat das logischerweise Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Welche das sein können, beschrieb der Podcaster Frank Eilers in einem Referat. Technologische Entwicklungen wie Vernetzung und Künstliche Intelligenz (KI) würden dazu führen, dass sich wiederholende Arbeiten von Maschinen übernommen würden, so Eilers. „Wir Menschen übernehmen dann das Wesentliche, nämlich das Kreative.“


Doch wenn ein Unternehmen kreative Mitarbeiter benötige, müssten die Führungskräfte auch die Haltung gegenüber ihren Beschäftigten auf den Prüfstand stellen. Wer den Mitarbeitern unterstelle, sie wären faul, und sie deshalb in ein enges Korsett von Vorschriften zwänge, bekomme eine passive Belegschaft, die keinerlei Initiativen entwickle. Wer dagegen davon ausgehe, dass die Beschäftigten arbeiten und im Sinne des Unternehmens handeln wollen und ihnen Spielräume gebe, werde mit Engagement und Kreativität belohnt.


Dass digitale Technologien weder als Sündenbock für alle Missstände in Gesellschaft und Bildung verantwortlich sind noch als Wundermittel sämtliche Probleme lösen können, verdeutlichte Prof. Thomas Strasser im Abschlussvortrag. „Die Digitalisierung will und kann die Lehrer und Ausbilder nicht ersetzen, sondern sie fit für die Zukunft machen“, betonte der Didaktiker. Denn auch die besten Tools nützen nichts, wenn sie nicht kompetent vermittelt und angewandt werden.


Die technologischen Entwicklungen würden bei vielen Lehrenden Ängste auslösen, da sie sich in diesem Bereich ihren Schülern unterlegen fühlen. Dennoch sei es wichtig, aktiv auf neue Phänomene zuzugehen und sie mit den bewährten Methoden zu verknüpfen. Das Ergebnis sei „Blended Learning“, bei dem unterschiedliche Technologien und Methoden gut nebeneinander existieren und sich ergänzen können.