Neue Zahlen zum Tankstellennetz

Nach der jetzt vorliegenden Halbjahresstatistik des Energie Informationsdienstes gibt es mit 14.453 Tankstellen (14.093 Straßen- und 360 Autobahnstationen) lediglich sechs Stationen weniger als am Jahresende 2018. Die Geschäfte laufen offensichtlich so gut, dass fast alle Gesellschaften ihre Netze eigentlich vergrößern wollen, entweder durch Neubauten oder durch Übernahmen. Glaubt man den Aussagen einiger „Marktteilnehmer“, könnte die Anzahl der Tankstellen im nächsten Jahr – gegen jede frühere Prognose – sogar wieder steigen.

 

Die Bruttokraftstoffmargen liegen im ersten Halbjahr 2019 leicht über dem schon als gut bezeichneten Durchschnitt des Jahres 2018. Und die guten Margen gingen nicht zu Lasten der Menge. Trotz der absehbaren Eintrübung der Konjunktur fragt das Speditionsgewerbe immer noch zunehmende Mengen von Dieselkraftstoff nach. Der Absatz dieser Sorte wuchs in den ersten fünf Monaten um knapp 3 %, im Mai sogar um fast 4 % gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum. Der Benzinabsatz bleibt zumindest stabil und verlor in den ersten fünf Monaten lediglich 0,7 % gegenüber dem Vorjahr. Im Mai stieg er gar um 0,2 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Dabei war der Mai bisher der teuerste Tankmonat in diesem Jahr – seitdem sind die Preise wieder gefallen.

Zu den einzelnen Betreibern

BP hat unter der Aral-Marke mit 2.286 Straßentankstellen weiterhin das größte Netz, und nur netto 5 Stationen weniger als zu Jahresbeginn 2019. Das REWE To Go Konzept soll zum Jahresende bei 550 Stationen umgesetzt sein. Der Aral-Vorstandsvorsitzende wird vom Energie Informationsdienst (EID) mit den Worten zitiert „REWE To Go ist bei uns ein voller Erfolg.“ Darüber, wie es bei seinen Pächtern aussieht bzw. wie diese den Erfolg sehen, berichtet der EID nicht. Jedenfalls dürfte es viele Pächter nicht trösten, dass nach Aussage des Aral-Vorstandsvorsitzenden die REWE To Go-Tankstellen im Durchschnitt „in ihren Shops über 15 Prozent mehr Umsatz als übrige Aral-Stationen“ erwirtschaften, wenn ihre gestiegene Pacht auf wesentlich stärker steigende Umsätze berechnet worden war. Den Absatzmarktanteil schätzt der EID auf 21,0 %, also unverändert gegenüber dem Jahresbeginn.

Den Marktanteil der Shell sieht der EID weiterhin (seit Beginn 2016) bei 20 %, obwohl sie mit 1.953 Tankstellen (einschließlich der unter bft-Zeichen betriebenen Rheinland-Kraftstoff-Stationen) sechs weniger als am Jahresbeginn betreibt.

Die Total hat ihre Tankstellenzahl gegenüber dem Jahresbeginn um netto fünf auf nun 1.154 Straßentankstellen gesteigert. Thomas Strauß, Tankstellendirektor der Total, äußert gegenüber dem EID, in der zweiten Jahreshälfte stünden „mehrere große Standorte vor der Vollendung“. 62 weitere Stationen wurden im ersten Halbjahr 2019 auf das T-Air-Konzept umgebaut, das inzwischen an mehr als 560 Stationen umgesetzt ist. Den Marktanteil von Total schätzt der EID weiterhin auf 9,5 %.

953 Stationen, acht weniger als am 1. Januar 2019, laufen noch unter dem Esso-Zeichen, gehören aber seit letztem Jahr der EG-Group. Dennoch zitiert der EID Tim Paulsen, „Branded Wholesaler Sales Manager Germany“, der sich mit dem Ergebnis aus dem Markenvertriebspartnervertrag „sehr zufrieden“ zeigt. Das Maß der Zufriedenheit dürfte bei dem Esso-Management und den ehemaligen Esso-, jetzt EG-Partnern allerdings sehr unterschiedlich ausfallen. Dennoch wird der Marktanteil von Esso weiterhin auf 7 % geschätzt. Dass dies so bleibt, wenn viele Stationseigentümer ihre Ankündigung wahr werden lassen und nach Auslaufen ihrer Verträge die Marke wechseln, möchten wir eher bezweifeln.

Zahlenmäßig nur leicht verändert zeigt sich das Avia-Netz. Die 30 Avia-Partner betreiben inzwischen 870 Straßentankstellen, 3 weniger als am 1. Januar. Avia ist die bei weitem größte Mittelstandsgruppe im deutschen Markt. Avia-Geschäftsführer Holger Mark zufolge verzeichnet das Netz ein Plus bei Plus bei Kraftstoffabsätzen und bei den Shopumsätzen.

JET betreibt inzwischen nur noch 810 Tankstellen, 2 weniger als zu Jahresbeginn und 33 weniger als vor einem Jahr. Hauptgrund ist der Verlust von mehreren Supermarktstationen. In die Zahlen gehen nämlich auch die zur Firma gehörenden, aber nicht mit dem JET-Logo gekennzeichneten, weißen Stationen ein. Nach EID-Schätzung soll der Marktanteil der JET unverändert bei 10,5 % liegen. An dieser Schätzung hatten wir schon Zweifel, als die Jet-Tankstellenzahl noch höher lag. Auf jeden Fall ist das Jet-Netz weiterhin dasjenige mit dem höchsten Kraftstoffabsatz pro Station.

Wieder etwas weniger Tankstellen gehören zur Raiffeisengruppe. Mit 689 Stationen (ohne die ca. 100 Automatenstationen der BayWa) betreibt jedoch nur zwei weniger als zu Jahresbeginn.

Bestand der Autobahn- und Autogasstationen

Hier gab es überhaupt keine Veränderung. Bei den Absätzen dürften sich, so schätzen wir, allerdings die Rückgänge fortgesetzt haben, auch wenn weder Tank & Rast noch der EID sich zu diesem Punkt äußern. Angesichts der inzwischen zu verzeichnenden Preisabstände zwischen Autobahn und Straße und den Äußerungen einiger Mitglieder mit BATs lässt sich jedoch kein anderer Schluss ziehen.

Relativ stabil sind die Bestandszahlen im Netz der Autogasstationen. Die Zahl der LPG-Tankstellen liegt nach EID-Angaben jetzt bei 7.104 und ist damit in den letzten Monaten etwas geschrumpft. Der abschmelzende Steuervorteil, zunehmende Schwierigkeiten bei der Umrüstung moderner Gebrauchtwagen und die zwar verdoppelte, aber absolut immer noch geringe Zahl von neu zugelassenen LPG-Pkw lassen hier auf absehbare Zeit kein Wachstum mehr erwarten.

Mit 856 Stationen ist die Zahl der Erdgastankstellen wieder so niedrig wie vor zehn Jahren. Spätestens, seitdem Volkswagen seine „CNG-Initiative“ zugunsten der vollen Konzentration auf die E-Mobilität aufgegeben hat, sind frühere Hoffnungen, das CNG-Netz könne einmal auf rund 2.000 Standorte vergrößert werden, wohl nur noch Illusion. Zukunftsträchtig dürfte allein LNG als Diesel-Alternative im Schwerlastverkehr sein. Aber auch dessen Entwicklung hängt hauptsächlich von der Politik ab. Entscheidend ist sicher auch, ob und wie lange die Kaufprämien und die Mautbefreiung für derartige Lkw weiter gewährt werden.